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Es war mal wieder so weit. Unser guter C 42 D-MREC war 10 Monate alt und es wurde Zeit, ihn wieder zu verkaufen. Nicht etwa weil das Teil dann auseinander fällt, sondern um Mitgliedern unseres Vereins die Möglichkeit zu geben, auch mal was ordentliches unter den Hintern zu bekommen. Das Inserat erschien daraufhin im Fliegermagazin, im Dulvinfo und in meiner Internetseite (www.ultraleichtpilot.de).Daraufhin meldeten sich auch Einige. Ein finnischer PPL-Pilot jedoch, der das Angebot aus meiner Seite hatte, war sofort interessiert. Nach einigen Telefonaten und E-Mails war das Geschäft unter Dach und Fach. Er hatte die Ausstattung mit Funkgerät, GPS, Transponder, Headsets und noch weiterem Zubehör schon lange gesucht, da auch sein Blechflieger mit diesen brauchbaren Dingen ausgerüstet war. Nun stellte sich noch die Frage des Transports. Für Diesen müsste etwa 4000,- DM aufgebracht werden. Natürlich riss ich meinen Mund wieder mal zu weit auf und versprach mit ihm den Flieger nach Finnland zu fliegen.

unsere TourAuf meiner Standardseite für Wetterberatung (www.wetteronline.de/profi.htm) forschte ich nach brauchbaren Daten für die Osterzeit. Es war allerdings noch eine gute Woche Zeit, deshalb versuchte ich mein Glück auch noch beim DWD in München. Der zuständige Wetterberater hatte die gleichen Daten wie ich und machte mir Mut. Mehrere Tage später ist die Vorhersage brauchbar und gute Bedingungen wurden sichtbar. Die benötigten ICAO-Karten bekam ich bis auf Göteborg alle von Friebe. Die fehlende Göteborgkarte wurde von einer TPC-Karte ersetzt, auf der sich allerdings nur wenige Informationen befanden. Die etwas ungewöhnlichen Karten wurden von mir anhand des GPS III Pilot (Jeppesen Datenbank) und der von einem Bekannten ausgeliehenen Bottlang AIP ergänzt. Aus dem Bottlang Airfield Manual wurden die benötigten Anflugkarten und die Frequenzen und Zuständigkeitsbereiche der Kontrollstellen herauskopiert. Nur aus dieser Quelle bekam ich die Frequenzen aller Stellen heraus, da auf den ausländischen Karten diese total fehlten.

Es wurde Ernst. Rucksack mit Unterwäsche (lange Unterhose), Socken, Hosen, Hemden, Pullover, Schuhe und Zahnbürste vollgestopft – separate Tasche mit Karten, Handfunkgerät, Bonbons und Zigaretten gefüllt. Der finnische Käufer, Tapani Saarela, kam mit Linienflug nach München zu seinem Sohn, der in dann am Mittwoch zu mir brachte. Unseren Flugplan gab ich im Internet unter http://www.dfs.de/Flight_Preparation/Flugplanaufgabe/flugplanaufgabe.html ab. Am Gründonnerstag um 8.39 Uhr hoben wir in Dörzbach ab. Unser erstes Ziel, Lübeck, erreichten wir nach 3 Stunden. Da ich vorher angerufen hatte, war der Kontroller vorgewarnt. Nach Sierra wollte er noch Sierra 2 und alle Windangaben wiederholt haben. Ich tat ihm den Gefallen und er war wieder zufrieden. Er war der Einzige auf der gesamten Reise, der mir etwas, sagen wir, “übermotiviert” vorkam. Unser Flugplan war leider nicht angekommen. Ich gab aber sofort einen Neuen auf, der dann auch angenommen wurde. Nach dem wir dann noch mal 20 Liter für den Sprung über den “großen Teich” gebunkert hatten, schritten wir zu unserem Flieger. Plötzlich kamen uns zwei junge Polizeibeamte entgegen. Mit “German Borderpolice” gaben sie sich zu erkennen. Sie waren die einzigen Uniformierten auf der gesamten Reise. Als ich meine Bedenken zwecks fehlender Mitflugmöglichkeiten für sie geäußert hatte, drehten sie lachend wieder ab.

Fehmarn-BeltWir bekamen Startfreigabe um 13.13 UTC und Ausflug über November. Zum Glück bin ich nicht sonderlich abergläubisch. Nun nichts wie rauf. Bei einer Gleitzahl von 1 : 11 schadet kein Meter zuviel. Über Puttgarden hatten wir unsere 5000 Fuß und die Erdsicht war nicht gerade berauschend. Dunst und kleinere Wolkenfelder hingen über dem Fehmarn-Belt. Koppenhagen Information begrüßte uns freundlich, bestätigte unseren Flugplan und gab uns einen Transpondercode. Zur Nervenberuhigung stellte ich meine GPS-Darstellung so ein, dass der Weg übers Wasser nicht so lang erschien. Endlich kam Maribo in Sicht. Wir konnten unsere Höhe beibehalten und kurften weiter über Vordingborg Richtung Roskilde. Kurz vor Haslev wurden wir dann an Roskilde Approach weitergereicht. Dieser Kontroller fand unsere Höhe für einen VFR-Flug etwas unpassend und holte uns auf 2000 Fuß runter.Helsingborg Vor Frederikssund rasterten wir Velbesüd (oder so ähnlich) Approach, der uns dann über Helsinggor an Malmö Control weitergab. Dort konnten wir unseren Flugplan schließen und landeten 10 Minuten nördlich Helsingborg ohne Stress in ESMH Höganäs. Es war niemand am Platz. Blindmeldung und Landung auf 24 Graß um 15.22 Uhr UTC. An der Tankstelle hing ein Zettel mit Telefonnummern. Nach einem kurzen Gespräch übers Handy kam dann ein freundlicher Herr, der uns mit 100 LL für umgerechnet 1,25 DM pro Liter versorgte. Landegebühr wurde keine verlangt. Er bot uns dann noch das Vereinsheim zum Übernachten an. Für 50 DM pro Person konnten wir alles nutzen. Fahrräder, Fax, Computer, Telefon und ein voller Kühlschrank standen zu unserer alleinigen Verfügung. Wir radelten daraufhin die 3 Km nach Höganäs um dort etwas zu essen.

SchwedenNach einer kurzen Wetterinformation von München und Flugplanaufgabe für unseren Flug von Katrineholm nach Mariehamn starteten wir am Karfreitagmorgen um 7.16 Uhr UTC nach ESVK Katrineholm. Malmö Control begrüßte und freundlich und gab uns gleich an Ängelholm Tower weiter, dessen Platz wir in 3000 Fuß überfliegen durften. Danach wieder über Malmö Contol geführt durften wir in aller Ruhe die Landschaft genießen. Wälder, Sümpfe und Seen wechselten hier ständig. Ein prüfender Blick auf AußenlandemöglichkeitenJonköping wurde jedoch mangels Masse langsam aufgegeben. Hagshult Tower gab uns weiter nach Jonköping Tower. Die freundliche Dame jagte uns wegen ihrer Kontrollzone auf 1000 Fuß runter und die Blauthermik rüttelte an unserem UL. Dafür war hier die Landschaft sehr schön. Östlich an dem Vättern-See vorbei wurden wir nun von Linköping Control überwacht und landeten um 9.45 Uhr UTC in ESVK Katrineholm. Die dort anwesenden Segelflieger gaben uns wieder den billigen Sprit und wir füllten unsere Tanks randvoll (100 Liter). Noch schnell ½ Liter Öl nachgefüllt, unsere Schwimmwesten bereitgelegt und Start um 10.43 Uhr UTC. Auf Stockholm Control war was los. Unser Flugplan Pampa führte über Strängnäs, Arlanda, Norrtälje nach Mariehamn. Das Erste, was der Kontroller wissen wollte war : “do you have a map?” Darauf ein selbstbewusstes : ” yes sir! ” von meiner Seite. Nun wurde es hektisch. Tapani flog auf das Fuß genau 2000 Fuß und ich versuchte die mir ungewohnte Karte und die eintönige Landschaft in Übereinstimmung zu bringen. Keine Chance. Mein volles Augenmerk ruhte nun auf der Datenbank meines GPS III. Durch ständiges hin- und herzoomen gelang es mir Herr über die vielen Striche zu werden; dachte ich. Der Kontroller warnte mich, dass wenn ich so weiterfliegen würde, käme ich in seine Kontrollzone. Auf meine schüchterne Nachfrage nach einem Heading kam die Antwort: you must navigate by your own. Ich war etwas erleichtert, da das hieß, dass wir nicht so gefährlich nahe dran waren. Wir folgtenPoint of never returne daher jetzt einem Strich nach Nordost und bekamen sofort die Freigabe direkt nach Mariehamn. 45 Kilometer offenes Meer benötigten eigentlich wegen des Gleitwegs gut 8000 Fuß. Wir begnügten uns jedoch mit 5000 Fuß, für die wir die Freigabe auch sofort bekamen. Die Sicht war ausgezeichnet und die Spannung löste sich. Die ¼ Stunde würden wir auch noch überstehen mit auf dem Durchflussmesser angezeigten 70 Litern Sprit. Öldruck und Temperatur alles in bester Butter. Die Luft war schön ruhig. Die Schwimmwesten waren griffbereit. Die serienmäßige Tankanzeige schien jedoch zu spinnen. Ein kurzer Blick in die Kanister und mir rutschte das Herz in die Hose. Dort befanden sich nur noch 20 Liter. Ich überlegte kurz und kam dann der Ursache für unseren Spritverlust von 50 Litern auf die Spur. Durch das ständige hin- und hergeschiebe von Karten unter dem Sitz hatte ich versehentlich den Schieber für die Dränanlage unter meinem Sitz geöffnet. Sofort losgeschnallt, den Hahn wieder geschlossen und das Übel war beseitigt. Wenigstens war Land in Sicht ! jetzt kein Wasser mehr im Benzin. Die Landung in EFMA Mariehamn um 12.25 Uhr UTC auf 21 Asphalt (1900 m lang) war nun nur noch Formsache. Nach der Landung konnten wir uns jetzt noch mit zollfreien Zigaretten und Schnaps eindecken, da dieser Platz in einem zollfreien Bezirk liegt. Tapani tankte jetzt noch mal 20 Liter nach, um noch nach Turku zu kommen. Dort war das Benzin etwas billiger (so wie bei uns). Nach dem Start um 13.35 Uhr UTC überflogen wir nun wieder eine Insellandschaft. Als mein Blick über die Cowling schweifte, bemerkte ich plötzlich die hervorstehenden Befestigungen auf meiner Seite. Sollte ich etwa bei der ausgiebigen Motorkontrolle vergessen haben, diese vollständig zu schließen? Im Gedanken sah ich schon die Motorhaube davonfliegen. Also nur noch umdrehen undInseln langsam wieder zurück. Mein finnischer Freund machte jetzt den Funk und wir konnten mitten auf der Bahn in Marienhamn die 4 offenen Befestigungen schließen. Nach 3 Minuten waren wir wieder in der Luft und genossen nun die Inseln. Ich glaubte, in der Karibik zu sein. Es war eine Super Aussicht. Um 14.48 Uhr UTC landeten wir auf der 2500 m langen Bahn von EFTU Turku. Tapani gab in finnisch über Funk unseren letzten Flugplan auf und wir starteten um 15.24 Uhr UTC. Mit dem VFR Squak 2000 flogen wir nun auf dem letzten Teil unserer Reise über vereiste Seen Wälder, Sümpfe und zugefrorene Seen noch 2 1/4 Stunden nach Norden um dann um 17.43 Uhr UTC (20.43 LT.) in EFKK Kokkola von der dort wartenden Mannschaft empfangen zu werden. Die von mir mitgebrachte Flasche Schnaps machte nun die Runde und wir feierten noch, bis die Sonne als glutrote Kugel am Horizont verschwand.

Die nächsten Tage musste ich nun alle Leute des Fliegerclubs auf dem C 42 einweisen. Sie waren alle von den Flugeigenschaften begeistert. Übernachtung und Essen waren für mich frei. Die Leute waren alle sehr freundlich. Meine lange Unterhose konnte ich im Rucksack lassen (10 bis 15 °C) obwohl die meisten Seen noch zugefroren waren und noch etwas Schnee lag. Mach es gut D-MREC mit deiner neuen Kennung OH-U377.

OH-U377WarschauFlughafen Helsinki

Am Dienstag reiste ich dann mit dem Zug 5 Stunden nach Helsinki um am Mittwoch über Warschau nach Frankfurt für 680 DM nach Hause zu fliegen. Wenn jemand Interesse hat, kann ich ihm Infos über billige Übernachtung in Helsinki (40,-DM) sowie Bußverbindung vom Warschauer Flugplatz in die City (1,50 DM) zukommen lassen.

Wenn einer eine Reise tut…….

Fazit:

Auf unserer gesamten Reise (außerhalb Deutschlands) bekamen wir nicht einmal einen Anschiss. Zoll war weder in Schweden noch in Finnland nötig; jedenfalls hat uns niemand danach gefragt. Flugplanaufgabe ist obligatorisch und sollte auch gemacht werden. In den weiten, unbewohnten Gebieten ist man schnell verloren und taucht eventuell nach der nächsten Eiszeit wieder auf (Ötzi). In Schweden ist Benzin günstig (100LL=1.25 DM). Landegebühren werden nur auf den großen Plätzen verlangt. Unbedingt Handy mitnehmen für nicht besetzte kleinere Plätze! Auf jeden Fall ordentliches Kartenmaterial und eventuell Trippkit (Botlang) besorgen. In Finnland gibt es ein kleines Büchlein – ILMAILU-MUISTIO (Fliegertaschenkalender oder Rentner-AIP). Wenn man nur große Plätze anfliegen will, kann man auch eine Wochenend- oder Saisonkarte für die Landegebühren erwerben. Selbst große Plätze sind nicht immer geöffnet aber man kann jederzeit landen und starten (Blindmeldung wegen anderer Piloten). Die meisten Plätze sind mit allem ausgerüstet was gut undMarienhamn teuer ist – ILS, VOR, NDB, PAPI und sonstigem Schnickschnack, ohne die unsere Blechkameraden ja nicht landen können. Wenn der Platz geschlossen ist, kann man sich hier nach Herzenslust kostenlos austoben. Englischer Sprechfunkverkehr ist sehr gut verständlich und war sogar von mir zu bewältigen. Größere Gebiete wie Stockholm empfehle ich großräumig zu umfliegen, da sehr hoher Stressfaktor. Zwingend für einen vernünftigen Flug ist die Ausstattung des Fliegers mit einem guten Funkgerät und Transponder (Mode C). Ein GPS mit Datenbank senkt auch noch den Adrenalinspiegel.

Unser Flug ging über 2100 km und wir brauchten dazu 13 Stunden. Im Sommer kann man das an einem Tag bewältigen, da die Sonne im Juli nicht untergeht.

Also Freunde, raus aus der Platzrunde und rein in die große, weite Welt des Jetset.

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